Einführungsforum: Fortschritte in den Neurowissenschaften
Diskussionsforum, Montag, 16. März, 18.30 – 20.00 Uhr
«Das Gehirn: 1.3 kg Fett, Eiweiss und Wasser, hoch komplex strukturiert, unübertroffen kreativ, lebenslang lernfähig, zunehmend verstanden in seinen Störungen und Krankheiten»
Martin Schwab – Neurowissenschaftler, UZH
Der Mensch ist, was er ist durch sein Gehirn. Das Wissen über dieses erstaunlichste und komplexeste aller Organe hat sich in den letzten 60 Jahren von einer groben anatomischen und funktionellen Analyse zum Verständnis von immer feineren Einheiten der neuronalen Funktionen entwickelt. Zentral ist dabei das heutige Verständnis des Gehirns als lebendes Organ mit einem Stoffwechsel, der stets mit dem Rest unseres Körpers im Austausch steht. Dieses Wissen hat auch den Zugang eröffnet zu einem zunehmenden Verständnis der Krankheiten des Gehirns, und damit zu neuen therapeutischen Möglichkeiten. Erste, aus der Grundlangenforschung entstandene neue Therapien für neurologische Krankheiten werden heute erprobt und eingesetzt.
«Meilensteine und Durchbrüche bei der Therapie neurologischer Erkrankungen»
Michael Weller – Neurologe, UZH
Erkrankungen des Nervensystems gehören zu den grössten Herausforderungen der Medizin. Schlaganfälle gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die mit bleibender Behinderung verbunden sind, aber auch neurodegenerative Erkrankungen wie die Alzheimer- oder Parkinsonerkrankungen stellen aufgrund der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur eine zunehmende Herausforderung dar. Für einige neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Migräne wurden in den letzten Jahren unerwartete Durchbrüche erzielt, während bei Behandlungen neurodegenerativer Erkrankungen und von Hirntumoren zahlreiche, mit Hoffnung erwartete Therapiedurchbrüche ausblieben.
«Fortschritte der kognitiven Neurowissenschaften»
Lutz Jäncke – Neuropsychologe, UZH
Die kognitiven Neurowissenschaften erforschen die neuronalen Grundlagen von Wahrnehmung, Denken und Handeln. Moderne Methoden zeigen, dass kognitive Leistungen nicht in einzelnen Hirnarealen lokalisiert sind, sondern aus dynamischen, vernetzten neuronalen Prozessen hervorgehen. Diese Befunde haben – im Zusammenspiel mit Erkenntnissen aus Ethologie und Verhaltensbiologie – zu einem veränderten Verständnis des Menschen geführt: Kognition wird als Ergebnis eines evolutiv gewachsenen, prädiktiven und plastischen Systems verstanden, in dem Wahrnehmung, Emotion, Motivation und soziales Verhalten untrennbar miteinander verbunden sind. Daraus ergeben sich weitreichende Implikationen für Medizin, Bildung und den Umgang mit modernen Medien.
Anschliessend Diskussion mit dem Publikum